Bürgeranhörung zum Stadtentwicklungsprogramm Zukunft Konstanz 2020

Wie soll sich Konstanz weiter entwickeln? Antworten dazu will die Stadt mit Hilfe eines Masterplans geben. Nach vier Jahren Vorbereitung beschreibt ein 100 Seiten starkes Papier die aktuelle Lage der Stadt, formuliert Entwicklungsziele und zählt sogar eine Reihe von Einzelmaßnahmen auf, die der Oberbürgermeister und die Verwaltung in den nächsten dreizehn Jahren umsetzen wollen. Einen ganzen Tag lang diskutierte die Stadtverwaltung ihren Entwurf mit etwa 100 interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Im Herbst soll der Gemeinderat den Masterplan beschließen. Offen blieb, bis wann Bürger, Parteien und Verbände Stellenungnahmen zum oder Einwände gegen den Masterplan formulieren können. Eine konkrete Frist nannte weder der Oberbürgermeister noch die Projektleiterin Christa Albrecht.

Aus 19 Leitprojekten, von denen der Gemeinderat 18 beschlossen hatte, wurden 14 Abschnitte im Masterplan. Nachdem die Verwaltung mit dem umweltpolitischen Kapitel im Ausschuss Schiffbruch erlitten hatte, wurde dieser Abschnitt stillschweigend in den Plan geschmuggelt.

Den Schwerpunkt des STEP bilden Aussagen aus der klassischen Stadtplanung: Aufgrund einer aktualisierten Prognose der Bevölkerungsentwicklung werden Ziele zur Siedlungsentwicklung und für den Wohnungsbau vorgeben. „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ heißt die Devise. Der bis 2020 vorhandene Bedarf an Wohnflächen soll durch Mobilisierung bestehender Reserven gedeckt werden. Nachverdichtung nennen das die Planer. Auch Kinder und Kultur, Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit, Tourismus und Sport werden im STEP erwähnt.

In drei Foren wurden Einzelaspekte des Masterplans sachkundig und teilweise sehr detailliert diskutiert. Kein Wunder, unter den Teilnehmern der Veranstaltung waren zahlreiche Experten und Interessensvertreter, die die einzelnen Planungsschritte aufmerksam verfolgt und bereits eigene Vorstellungen eingebracht hatten. Und so regte sich gegen die grundlegenden Ziele des Plans auch wenig Widerspruch.

Dem neuen Präsidenten der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung (HWTG), Kai Handel, blieb es vorbehalten, die politischste Frage der Anhörung zu stellen: Der Masterplan enthalte eine Sammlung von viel Wünschenswertem, so Handel. Doch die Stadt müsse sich entscheiden, welche Prioritäten sie setze. Die einzelnen Leitprojekte hätten zuwenig Querbezüge und Verbindungen , ergänzte Wolfgang Himmel von der Beratungsfirma Translake. Das STEP definiere keine Ziele und zeige nicht auf, welchen Beitrag die Einzelprojekte leisten müssen, um diese Ziele zu erreichen.

Der ganze Masterplan sei eine Prioritätensetzung entgegnete der Oberbürgermeister. Eine Priorität ist für die Verwaltung ein Konzert- und Kongresszentrum auf Klein-Venedig. Gleich an mehreren Stellen im Masterplan wird das Projekt gerade zu als Allheilmittel erwähnt.

Im eigentümlichen Kontrast zum Stadtentwicklungsprogramm stand Franks Schlusswort. Da in seinem Haushalt demnächst sieben Millionen Euro jährlich fehlen würden, will er vorrangig Bestehendes sichern. Kann Konstanz vom Stadtentwicklungsprogramm also nur viel „weiter so“ und wenig echte Entwicklung erwarten?

Alle zwei Jahre will er berichten, wie es um die Umsetzung des Masterplans steht, kündigte Frank an.

Der Entwurf des Masterplans steht bei der Stadt Konstanz als Download bereit.