SPD Konstanz

Wasserbus: Eine „saublöde Idee“ wird bejubelt

Zehn Jahre Einsatz hatten Erfolg

Jeden Samstag fährt die MS Reichenau im Halbstundentakt vom neuen Steg am Bodenseeforum zum Hafen. 250 Fahrgästen bietet der Wasserbus Platz, der bis zum 15. September 2018 im Probebetrieb den Seerhein hoch und runter fährt.  Schon die Probefahrt und der erste Betriebstag sorgte für ein zufriedenes Gesicht beim Oberbürgermeister, während die Verwaltung viel herumschwurbelte, um die geistigen Mütter und Väter des Wasserbusses nicht erwähnen zu müssen. Beinahe zehn Jahre musste nämlich der ehemalige SPD-Stadtrat Frieder Schindele warten, bis sein damaliger Vorschlag zumindest in einem Testbetrieb umgesetzt wird. (Bild: Stadtwerke Konstanz)

Ende 2008 hatten Frieder Schindele, Jürgen Ruff und Jürgen Leipold neue Wege für die innerstädtischen Verkehrspolitik gefordert. Ihre Überzeugung: Nur durch eine vernünftige Verkehrserschließung könne ein Konzerthaus auf  Klein Venedig zu Zustimmung  der Bürger finden.  Bestandteile des SPD-Konzepts: ein Park- und Rideplatz auf dem Gelände unter dem nördlichen Brückenkopf am Schänzle und eben der Wasserbus.

Eine Mehrheit im Gemeinderat erhielten die SPD-Räte dafür  jedoch nicht, dafür aber viel Spott und Hohn: Jürgen Faden von den Freien Wählern bezeichnete den  Wasserbus als „saublöde Idee“, der Grüne Peter Müller-Neff bezeichnete die Vorschläge als ein „städtebauliches Märchen“. Die CDU-Fraktion lehnte das damals so bezeichnete Wassertaxi rundherum ab, um es heute im Amtsblatt als „umweltfreundliches Verkehrsmittel“ zu feiern. So verwunderte es nicht, dass der Südkurier damals geradezu lyrisch titelte: „SPD geht mit Wassertaxi baden“. Richtig scheiterte aber der damalige grüne Oberbürgermeister Horst Frank, dessen Kongresshausträume im Jahr darauf an den Stimmen der Konstanzer im Bürgerentscheid platzte.

Auch wenn die strahlenden Bilder etwas anderes nahelegen, Oberbürgermeister Uli Burchardt war zunächst ebenfalls kein Freund des Wasserbusses. Zur Lösung des mittlerweile unerträglichen Einkaufsverkehrs in der Innenstadt wollte lieber hoch auf die Seilbahn hinaus. Daher dauerte es auch über drei Jahre, bis die Verwaltung endlich eine Machbarkeitsstudie für einen Wasserbus vorlegen konnte. Dabei hatte der Gemeinderat – vor  allem auf  Drängen der SPD-Stadträte im Jahr 2014 viel Geld bewilligt, damit ein sachkundiges Ingenieurbüro mit der Studie beauftragt werden konnte.  Ergebnis der Studie: Von allen Ideen, die in Umlauf gebracht wurden, hat das Wassertaxi im Gegensatz zur Seilbahn oder einer schienengebundenen Stadtbahn als einzige eine reelle Chance.

Im Probetrieb sind die Preise attraktiv: Die Fahrt zum Hafen und zurück ist für ein Busticket zu haben.

Der Wasserbus zeigt also: Kommunalpolitische Erfolge haben viele Mütter und Väter. Doch Erfolg kommt nur durch „beharrliches Bohren dicker Bretter“. In Konstanz sind sie mitunter dicker als anderswo.

 

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