Ein Kommentar von Jürgen Leipold in Pro & Contra des Südkurier

Gewiss muss über den Standort Klein-Venedig für das „KKH“ noch diskutiert werden, auch wenn heute kaum mehr eine Alternative zur Verfügung steht. Standort- und Verkehrsdiskussionen dürfen aber nicht die vorrangige Frage überlagern: Können wir uns das leisten und wie können wir uns das leisten?

Großprojekte haben nun mal an sich, dass sie viel Geld kosten. Ein Schmuckstück von Stadthalle, in der man Konzerte besuchen, feiern und tagen kann, ist nach meiner festen Überzeugung realisierbar – vor allem dann, wenn die Stadt das Projekt selbst in die Hand nimmt. Schon als OB-Kandidat 1996 hielt Horst Frank einen solchen Bau für „absolut unrealistisch“, es sei denn, ein privater Investor würde es verwirklichen. Der Glaube daran scheint auch zwölf Jahre später so ungebrochen wie die Hoffnung auf das 13. Jahr.

PPP lautet jetzt das neudeutsche Zauberwort. Dabei macht es rechtlich wie ökonomisch keinen Unterschied, ob die Stadt selbst Kredite aufnimmt oder gegenüber einem Investor Zahlungsverpflichtungen über einen Zeitraum von 25 oder 30 Jahren eingeht. Da eine Stadt üblicherweise günstigere Kreditkonditionen erhält als ein Investor und Konstanz außerdem auch beträchtliche angesparte Eigenmittel einsetzen könnte, spricht sehr vieles dafür, dass die Eigenregie günstiger ist.

Beweisen ließe sich das letztlich erst, wenn der langwierige, rechtlich komplizierte, ohne externe Berater gar nicht begehbare Weg zum Investorenvertrag am Ende wäre. In der Mammutsitzung in der vergangenen Woche hat dies einer der Berater sehr deutlich gemacht: PPP geht nur stufenweise, man könne aber vertraglich vereinbaren, dass die Stadt auch aussteigen könne. Beim Aussteigen allerdings würde dann der Fahrpreis fällig – Zeit und Geld wären verloren.

Die Stadthalle, die ich mir vorstelle, muss ein aus einem hochklassigen Wettbewerb entspringendes architektonisches Highlight sein, was ein Investorenwettbewerb nur vielleicht, aber keinesfalls sicher erbringen könnte. Unsere Nachbarstadt Singen hat sich entschieden, eine Stadthalle in eigener Regie für 18 Millionen € zu bauen und von einer GmbH im Stadtbesitz betreiben zu lassen. Das edle Stück steht und lockt Besucher in Scharen an, auch aus Konstanz. Von Singen lernen? Warum eigentlich nicht?