„In Konstanz wird sich eine breite Mehrheit für das Sommertheater aussprechen“. So zuversichtlich äußerte sich der Konstanzer SPD- Fraktionsvorsitzende Jürgen Leipold. Auf einem Ortstermin informierten sich die SPD- Fraktionen der Gemeinderäte aus Überlingen und Konstanz über die Spielstätte des Sommertheaters in der Überlinger Kapuzinerkirche. Der Konstanzer Bürgermeister Claus Boldt (CDU) will im Kulturhaushalt 750.000 Euro einsparen. Seinen Kürzungsvorschlägen sollten das Sommertheater in Überlingen und das Kinder- und Jugendtheater in der Konstanzer Spiegelhalle zum Opfer fallen.

Der Konstanzer Gemeinderat werde Boldt nicht folgen, meint Jürgen Leipold. Das Sommertheater solle vielmehr zur Pflichtaufgabe für den neu zu wählenden Konstanzer Theaterintendanten werden, fordert er. Eine entsprechende Aussage will er in der Stellenausschreibung verankern. Über sie werde der Konstanzer Kulturausschuss am Freitag, den 30. September beraten.

Der Überlinger Kulturdezernent Bürgermeister Ulrich Lutz führte die Gemeinderäte aus beiden Städten durch die Kapuzinerkirche, die von der Stadt Überlingen für insgesamt 500.000 Euro zu einer Theaterspielstätte ausgebaut wurde. Konstanz und Überlingen hätten sich verpflichtet, im Herbst 2005 Verhandlungen über die Zukunft des Sommertheaters zu verhandeln. Diese Gespräche müssten bald aufgenommen werden, forderten die Fraktionen. Überlingen werde weiterhin das Sommertheater mit einem Zuschuss von jährlich 56250 Euro unterstützen.

In der Spielzeit 2004 war das Sommertheater in Überlingen außerordentlich erfolgreich. Annähernd 8000 Zuschauer besuchten die 49 Aufführungen. Damit war die Kapuzinerkirche zu 90 % ausgelastet und es konnte für einen Theaterbetrieb außerordentlich gute 70 % Kostendeckung erzielt werden. Die Spielzeit 2005 verlief demgegenüber enttäuschend, weil nur noch 3800 Zuschauer angelockt werden konnten. Selbst im schwachen Jahr 2005 war das Sommertheater jedoch die wirtschaftlich erfolgreichste Aktivität des Stadttheaters, da die Kosten zu mehr als 50 % wieder eingespielt wurden. Das Konstanzer Theater kalkuliert mit Gesamtkosten von 200.000 bis 230.000 Euro für das Sommertheater.

Im nächsten Jahr müsse das Theater unbedingt wieder ein Kombiticket und einen Transfer mit dem Schiff anbieten, forderte der Überlinger SPD- Chef Oswald Burger. Das Sommertheater brauche eine eigene Inszenierung. Daneben sei es aber denkbar, dass auch Produktionen aus dem Stadttheater in Überlingen aufgeführt werden. Burger berichtete vom vorbildlichen Einsatz des Fördervereins für das Sommertheater, der nicht nur die Bewirtschaftung und den Kassendienst übernehme, sondern dem Theater jährlich bis zu 10.000 Euro spende.

Die SPD wünscht sich ein künstlerisch anspruchsvolles Theater. Für ein Boulevard- Theater mit „seichten Stücken“ gebe man für den Theaterbetrieb zu viel Geld aus. Leipold widerspricht damit dem Konstanzer Kulturbürgermeister Claus Boldt, der einen kommerzielleren Spielplan gefordert hatte.

Die Konstanzer SPD wolle die Budgetvereinbarung mit dem Theater fortschreiben, so Leipold. Das Theater komme seit acht Jahren mit einem unveränderten Zuschuss der Stadt aus. Außerdem habe man die Sparvorgaben des Gemeinderat als einzige Kulturinstitution umgesetzt. „Das Theater darf nicht für seine Sparanstrengungen bestraft werden,“ sagt Leipold.

Sorge macht den Sozialdemokraten, dass ausgerechnet in einer finanziell schwierigen Lage, ein Intendantenwechsel im Theater bevorstehe. Es müsse verhindert werden, dass dies den Theaterbetrieb schwäche.