Als der Konstanzer Schriftsteller Wilhelm von Scholz den Führer Adolf Hitler in höchsten Tönen lobte, war Albert Alexander schon zwei Jahre tot. Der jüdische Schneidermeister, der zuletzt in der Rosgartenstraße wohnte, starb in Ausschwitz. Am 29.2.1940 wurde Alexander, der lange Jahre Mitglied der SPD war, von der Gestapo verhaftet. Man warf ihm „deutschfeindliches Verhalten“ vor. Er hatte etwas anderes getan als von Scholz und sich negativ über Hitler, die Nazis oder den Krieg geäußert. Zur Erinnerung an Albert Alexander verlegte der Kölner Künstler Günter Demnig einen Stolperstein.

Stolpersteine: 10 mal 10 Zentimeter sind sie groß. Oben tragen Sie eine Messingplatte, die an Opfer der Nazis erinnern. Sie werden vor ihrem letzten bekannten Wohnsitz in den Gehweg verlegt und sollen ihr Schicksal vor dem Vergessen bewahren. Stolpersteine mahnen: Die Opfer der Nazis waren keine fremden Wesen. Es waren Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde, die abgeholt, deportiert, gefoltert und ermordert wurden.

080317_Stolperstein2An elf weitere Opfer erinnert die Initiative Stolpersteine bei der mittlerweile dritten Steinverlegung in Konstanz. Vor der Herzklinik in der Luisenstraße erinnert ein Stein an Ernst König, der wie Hermann Keller und Emma Wippeler in Grafeneck ermordert wurde. Sie waren psychisch krank und teilweise in der Pflegeanstalt Reichenau in Behandlung. Die Juden Arthur und Elsa Godlewsky, die in der Sigismundstraße lebten, starben in Auschwitz. Der jüdische Rechtsanwalt Eduard Frank wurde am Tag nach der Reichspogromnacht verhaftet und starb zwei Wochen später im Konstanzer Gefängnis. In der Blarerstraße wohnte die jüdische Familie Ottenheimer. Nachdem Ludwig Ottenheimer im November 1938 nach Dachau deportiert wurde, gelang der Familie nach seiner Entlassung die Emigration nach Amerika.

080317_Stolperstein3Mit den Stolpersteinen erhalten einige wenige Opfer der Nazis ihre Identität zurück, schreibt die Initiative. Von den meisten Opfern ist nicht bekannt, wie sie starben und wo ihre Überreste verscharrt wurden.

Die dritte Stolpersteinverlegung bildete so einen wichtigen Kontrast zur Debatte über das Grab des Schriftstellers Wilhelm von Scholz. Nachdem seine Familie keinen Wert mehr auf den Erhalt des Grabs gelegt hatte, wird es wie in allen vergleichbaren Fällen auch eingeebnet. Keine kulturhistorische Schande – wie manch ein Liberaler meint – sondern ein Akt der Gleichbehandlung. Auch der Schriftsteller Rolf Hochhuth, der jetzt die Pflegekosten bezahlen will, sollte sich überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, das Gedenken als die Opfer der Nazis wachzuhalten anstatt die Gräber der geistigen Mittäter zu pflegen.