Seit Anfang Mai streiken Mitarbeiter der Deutschen Telekom auch in Konstanz. Sie wehren sich gegen Pläne des Telekom-Konzerns, über 50.000 Mitarbeiter aus der Festnetzsparte aus dem Konzern ausgliedern. Gleichzeitg soll deren Arbeitszeit verlängert und der Lohn deutlich abgesenkt werden. In Konstanz sind wahrscheinlich 200 Mitarbeiter von den Plänen des Telekom-Vorstandsvorsitzenden René Obermann betroffen. 400 Menschen beteiligten sich an einer Solidaritätsdemonstration durch die Konstanzer Innenstadt.

070530_Telekom2Der örtliche Geschäftsführer der Gewerkschaft ver.di, Berthold Maier, bezeichnete den Obermann-Plan als „schwersten Angriff auf die Löhne “ in der deutschen Geschichte. Denn die Beschäftigten der Festnetzsparte haben bereits vor zwei Jahren einer Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich zugestimmt. Jetzt sollen die Löhne um weitere 9 Prozent gesenkt werden, während die Arbeitszeit um vier Stunden wieder verlängert werden soll. Neue Mitarbeiter werden bereits zu deutlich schlechteren Bedingungen eingestellt.

070530_Telekom3Dem Unternehmen gehe es nicht schlecht, so lange es an seine Aktionäre drei Milliarden Euro Dividende ausschütten könne. Er appellierte an die Bundesregierung, den Hauptaktionär der Deutschen Telekom, den Vorstand zu stoppen. Lautstarkt forderten die Teilnehmer der Kundgebung Obermanns Entlassung.

Seit der Privatisierung vor zehn Jahren habe die Telekom 18 Umstrukturierungen über sich ergehen lassen müssen. So sei ein gesundes Unternehmen in ein Desaster umorganisiert worden. Maier kritisierte die Regulierungsbehörde, die dafür sorge, dass die Telekom zwangsläufig Kunden verlieren müsse.

Die Telekom hat ihrem Betriebsrat und der Gewerkschaft verdi verboten, die interne Kommunikationsinfrastruktur während des Arbeitskampfs zu benutzen. Die Konstanzer Gewerkschafter reagierten auf ihre Weise. Sie versandten ihre Protestresolution per Flaschenpost im Seerhein an René Obermann.

Mitglieder des SPD-Ortsvereins beteiligten sich an der Kundgebung. Die Mitgliederversammlung des Ortsvereins beschloss eine Resolution zur Unterstützung der Streikenden.