Zehn Jahre lang hat die Konstanzer Verwaltung vergeblich nach einem Investor für ein Kultur- und Kongresszentrum gesucht. Daher solle die Stadt endlich gleichberechtigt prüfen, ob und wie sie selbst ein solches Haus bauen und finanzieren könne. Schon vor Jahren hat die SPD diese Forderung aufgestellt, der Gemeinderat schloss sich in seiner jüngsten Sitzung dieser Erkenntnis an. Für die SPD-Fraktion ist dies eine Kernforderung. Werde sie nicht berücksichtigt, „lehnen wir ab“, drohte Jürgen Leipold. Der Gemeinderat beschloss einen umfangreichen Antrag der CDU, der klare Fragen formuliere und einen eindeutigen Fahrplan aufstelle, wie Leipold lobte. Kein Wunder, schließlich hatte die CDU weitere langjährige Forderungen der SPD übernommen, so dass die SPD-Räte diesem Antrag guten Gewissens zustimmen konnten.

Leipold machte deutlich, dass eine Planung eines Kultur- und Kongresshauses nur auf Basis konkreter und aktualisierter Daten erfolgen könne. Dies schließe eine gründliche Standortanalyse und ein aktualisiertes Verkehrsgutachten mit ein. Allerdings stünden taugliche Alternativen zu Klein Venedig derzeit nicht mehr zur Verfügung, schränkte er ein.

Konstanz müsse den Anspruch haben, dass ein solches Bauwerk „für sich wirken soll“. Bregenz sei ein gutes Vorbild.

Im April wird der Gemeinderat über die Größe, Funktion und Raumprogramm eines Kultur- und Konzerthauses beschließen. „Heute entscheiden wir nicht, wir schaffen qualifizierte Grundlagen“, sagte Leipold. Er warnte vor der Hoffnung, dass irgendwann der „Wunderonkel kommt. Nach zehn Jahren glaubt das keiner mehr“.

Dr. Jürgen Ruff ergänzte: Ein solches Projekt „müssen wir von den Folgen her denken“. Finanzielle oder verkehrliche Belastungen dürften nicht höher als der Nutzen des Projekts sein. Diese Fragen müssten vor der Entscheidung geklärt werden, forderte Ruff.

Der Gemeinderat beschloss die Arbeitsaufträge an die Verwaltung mit großer Mehrheit. Gespalten war die grüne Fraktion. Deren Kongresshausgegner lehnten selbst ein aktuelles Verkehrsgutachten ab. Dabei könnte ja herauskommen, dass ihre Argumente eine schwache Basis haben.

Oberbürgermeister Horst Frank und sein Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal beteiligten sich nicht an der Diskussion. Aber der Kanton Thurgau interessiere sich sehr für das Projekt, erklärte der grüne OB einleitend. Wie konkret dieses Interesse wirklich ist, blieb unklar. Es fragte auch niemand nach, denn allzu oft hatte Frank von Interessenten aus der Schweiz gesprochen.