SPD Antrag führt zur Diskussion im Gemeinderat

Die Planung auf Klein Venedig ist ins Stocken geraten. Bevor das neue Kreuzlinger Stadtoberhaupt Andreas Netzle sein Amt antritt, wird es keine Entscheidungen über weitere Planungsschritte geben, berichtete Oberbürgermeister Horst Frank im Gemeinderat. Aufgrund einer Initiative der SPD-Fraktion diskutierte der Gemeinderat erstmals ansatzweise über die Ziele der Planung.

Gemeinsam mit der Nachbarstadt will Frank das gesamte Klein Venedig-Gelände überplanen. Während auf deutscher Seite das Konzert- und Kongresszentrum mit einem Hotel und Casino auf der Wunschliste steht, wollen die Schweizer attraktive Wohnungen in Seenähe erstellen. Zahlreiche Investoren hätten an dem Projekt Interesse gezeigt, behaupten Frank und sein Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal. Bereits seit Monaten wird eine Broschüre „Planung Klein Venedig“ verteilt.

Im nächsten Planungsschritt soll nach Franks Vorstellungen ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich eine unverbindliche Marktuntersuchung. Beide Städte wollen wissen, ob es private Investoren für das Gesamtprojekt auf Klein Venedig gibt und unter welchen Bedingungen sie bereit wären das Projekt umzusetzen. Die Stadt Konstanz braucht für dieses Verfahren externe Hilfe. In einer zweiten Stufe soll das Projekt dann verbindlich ausgeschrieben werden. Ein Architektenwettwerb ist dagegen noch nicht vorgesehen.

„Risiko des Scheiterns“

Hanna Binder kritisierte die geplante Vorgehensweise. Die Planung auf Klein Venedig werde sehr komplex, weil viel zu viele unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten im Gespräch seien. „Je mehr Sie in das Paket hineinpacken, desto größer ist das Risiko des Scheiterns,“ ergänzte Jürgen Leipold. Bevor die Stadt ein Interessensbekundungsverfahren auslobe, muss der Gemeinderat die Interessen und die Ziele der Stadt Konstanz formulieren und beschließen.
Noch sei unklar, ob Konstanz und Kreuzlingen überhaupt gemeinsame Interessen auf Klein Venedig hätten, sagte Binder. Die zentrale Frage der Verkehrserschließung sei bislang komplett ausgeklammert worden. Fraglich sei zudem, ob alle Ideen, die bislang für das Kreuzlinger Plangebiet entwickelt wurden, auch mit dem Bodenseeleitbild vereinbar sind.

Vorbild Esslingen

Wie kann Konstanz überhaupt ein Kongresszentrum erfolgreich planen und betreiben? Jürgen Leipold verwies auf ein nachahmenswertes Vorbild der Stadt Esslingen. Das dortige Neckar-Forum wurde kürzlich als eines der besten zehn Veranstaltungszentren in Deutschland ausgezeichnet. Für 41 Millionen Euro hatte ein privater Bauträger das Forum mit einem angeschlossenen Hotel und einer Tiefgarage errichtet. Die Stadt Esslingen bürgt für die Kredite und hat das Neckar-Forum 30 Jahre lange gepachtet. Nach Ablauf des Vertrags fällt das Gebäude an die Stadt zurück, ohne dass weitere Zahlungen fällig werden. Betreiber des Neckarforums ist eine Tochtergesellschaft der Stadt, die im ersten Jahr einen Betriebskostenzuschuss von 1,3 Millionen Euro erhielt. Ein Projekt in dieser Größenordnung könnte auch Konstanz schultern, meint Jürgen Leipold.

„Weltfremde Hoffnung“

Hanna Binders Zwischenbilanz: „Die Mehrheit des Gemeinderats hofft immer noch auf einen Investor, der Konstanz ein Kongresszentrum schenkt und betreibt, wenn die Stadt dem Investor nur weit genug entgegenkommt. Doch das ist weltfremd.“

Download: Information der Stadt Konstanz zur Planung Klein Vendig