Das Aktionsbündnis „Rettet die Krankenhäuser“ hat am 25. September zu einer Demonstration in Berlin aufgerufen. Krankenhausträger und Gewerkschaften fordern mehr Geld für die Krankenhäuser. SPD Stadtrat Jürgen Puchta, vom Beruf Arzt, begründet, warum er nach Berlin fährt.

Spar-Diktat bedroht auch die Konstanzer Kliniken

von Jürgen Puchta

Als SPD-Stadtrat und Arzt will ich am 25. September mit möglichst vielen Konstanzern nach Berlin fahren, um mit dem Aktionsbündnis „Rettung der Krankenhäuser“ auf die Straße zu gehen. Für 25. September hat das Bündnis zu einer großen Protestaktion in Berlin aufgerufen, um auf die sich bedrohlich zuspitzende Finanz- und Personalsituation in den rund 2.100 Krankenhäusern aufmerksam zu machen. Betroffen sind auch die Konstanzer Kliniken.

Wir müssen für unsere Kliniken in Konstanz kämpfen. Ich wünsche mir deswegen, dass Konstanzer Klinik-Mitarbeiter sogar durch ihre Geschäftsführungen ermuntert werden, nach Berlin zu fahren. Im Zentrum für Psychiatrie Reichenaus ( ZPR) ist das bereits geschehen. Es wäre schön, wenn es dafür auch ein Tag Sonderurlaub für die Demonstranten gebe. Ich appelliere ausdrücklich auch an die Geschäftsführer der Konstanzer Kliniken, nach Berlin zu fahren. Alle Berufsgruppen im Krankenhaus müssen an einem Strang ziehen.

Ein Sonderzug aus Süddeutschland wird nach Berlin fahren. Der Zug muss schon in Konstanz fast voll sein.

Wie ernst die Lage an den deutschen Krankenhäusern ist, zeigt ein internationaler Vergleich: So kommen etwa in Großbritannien auf einen Klinikarzt jährlich 120 Patienten-Entlassungen, in Norwegen sind es 102 und in der Schweiz sogar nur 69 Entlassungen. In der Bundesrepublik leisten Klinikärzte dagegen Medizin im Laufschritt. Jeder einzelne Arzt entlässt hierzulande pro Jahr statistisch gesehen 146 Patienten – ein Patienten-Marathon.

Als Folge der seit Jahren zu beobachtende Intensivierung und Verdichtung der pflegerischen und ärztlichen Arbeit in den Krankenhäusern fällt zwangsläufig die Zuwendungszeit für die Patienten immer kürzer aus. Die Klagen vieler Patienten sind berechtigt.

Angesichts der täglichen Anforderungen kämpft die Ärzteschaft für eine bessere finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser. Im deutschen Gesundheitswesens muss die seit 15 Jahren betriebene Politik der Budgetierung, die Kliniken zu einem unverantwortlichen Sparkurs zwingt, endlich beendet werden. Der Deckel muss weg.