Der Arzt und SPD- Stadtrat Jürgen Puchta plädiert im Südkurier-Forum für eine Zusammenarbeit im Kreis

Die gute Nachricht aus dem Klinikum darf uns nicht blenden: Auch wenn das Klinikum einmalig auf einen städtischen Zuschuss verzichten will, ist es wirtschaftlich nicht auf die Zukunft vorbereitet. Durch die Fallpauschalen drohen in den nächsten Jahren Defizite. Auf fünf bis sieben Millionen Euro pro Jahr könnten sich diese Defizite im Jahr 2010 steigern, folgt man den Befürchtungen von Bürgermeister Claus Boldt (CDU).

Das Klinikum ist also gezwungen, seine Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Einsparungen in der genannten Größenordnung sind insgesamt unrealistisch und nur durch Personalreduzierung in großem Rahmen möglich. Alle anderen Einsparungsmöglichkeiten bewegen sich im Promille- bis Prozentbereich, gemessen am Gesamtvolumen der Aufwendungen. Aber 71,5 Prozent der Personalkosten stehen direkt im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung. Somit bedeutet eine Reduzierung in diesen Bereichen ein Qualitätsverlust für die Klinik und den Patienten. Dies ist sowohl ökonomisch wie auch medizinisch der absolut falsche Ansatzpunkt. Nur durch Steigerung der produktiven Seite eines Krankenhauses ist dieses wirtschaftlich führbar.

So unschön es klingt: Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Produktivseite der Patient – Stichwort Kunde Patient. Im Rahmen der Fallpauschalen ist klar, dass ein Krankenhaus nur dann wirtschaftlich geführt werden kann, wenn es viele Fälle abrechnen kann, sprich die Patientenzahl steigt. Somit müssen Krankenhäuser das Ziel verfolgen möglichst viele, vor allem auch schwere Fälle (Stichwort: Case-Mix-Index oder durchschnittliche ökonomische Fallschwere) zu behandeln. Dies ist, durch Abbau und Verringerung der medizinisch- pflegerischen Leistung sicher nicht möglich, sondern nur durch das Gegenteil.

Was bedeutet dies konkret für das Krankenhaus Konstanz? Unter Einhaltung eines möglichst großen medizinischen Standards muss neben der Basisversorgung weiter in die Spezialisierung von Fachgebieten bzw. Teilgebieten investiert werden. Letztes macht jedoch nur Sinn, wenn die Spezialisierung im Landkreis klar aufgeteilt und auf die einzelnen Standorte definiert ist. Denn im Zuge der Gesundheitsreform wird es auch eine Behandlungszahlbudgetierung geben. Um überhaupt medizinische Leistungen abrechnen zu können, muss eine Mindestanzahl von Behandlungen nachgewiesen werden.

Es nutzt also nichts, einen Spezialisten für Gefäßchirurgie zu haben, wenn dieser nur 20 oder 30 Patienten pro Jahr behandeln kann. Somit macht es wenig Sinn, im Landkreis Konstanz an womöglich drei Standorten (Singen, Radolfzell und Konstanz) die gleichen spezialisierten Leistungen anzubieten. Die notwendigen Fallzahlen sprich Patientenbehandlungen werden nicht erreicht werden und somit werden die Krankenhäuser keine Zulassung bekommen, die entsprechenden Krankheiten abrechnen zu können.

Hierfür ist ein Klinikverbund im Landkreis dringend zu fordern und zwar unter Einbeziehung der privaten Kliniken. Dieser Klinikverbund, insbesondere mit dem Hegau- Klinikum in Singen ist bislang – hauptsächlich aufgrund persönlicher Probleme der Verantwortlichen – bis heute gescheitert. Dies ist ein schweres Versäumnis der Konstanzer Krankenhauspolitik.

Das Hegau- Klinikum in Singen deckt im Verbund mit dem Spital- und Spendenfond Engen, dem Hegau- Jugendwerk, den Krankenhäusern in Bad Säckingen, Überlingen und Radolfzell und der Reha- Klinik St. Maria in Bad- Bellingen vor allem medizinisch ein weites Spektrum der Patientenversorgung von der Akutbehandlung über die Rehabilitation bis zur Pflege ab.

Konstanz hat es lediglich geschafft, dass ca. 75 Betten große Akutkrankenhaus Stockach an sich zu binden. Eine Abdeckung der einzelnen Behandlungsphasen ist nicht in Sicht. Konstanz muss also wegen seiner Versäumnisse in der Krankenhauspolitik um sein „eigenes“ Krankenhaus der Zentralversorgung bangen. Für sich alleine kann das Klinikum nicht überleben, die Stadt Konstanz oder die Spitalstiftung werden die Verluste in Millionenhöhe nicht auf Dauer auffangen können. Auch die Zeichen aus dem Sozialministerium in Stuttgart sind eindeutig mit der Forderung, dass die Krankenhäuser im Land kurzfristig enger zusammenarbeiten, sich auszutauschen und Kompetenzen abstimmen müssen sowie Leistungsschwerpunkte setzen müssen. Dies fordert kein geringerer als der Sozialminister Andreas Renner, der bis vor wenigen Monaten noch OB in Singen war. Dass er hierbei auch an sein Modell der modernen Klinikfusion – geprägt durch seine Person- in Singen, gedacht hat, dürfte wohl klar sein.

Es geht nicht um die Alternative Konstanz oder Singen; es geht vielmehr darum, ob Hochleistungsmedizin in unserem Landkreis oder erst in Freiburg, Tübingen oder Ulm angeboten werden kann. Ziel der Verhandlungen muss ein Trägerverbund sein, der auch das Vincentius Krankenhaus und das Herzzentrum Bodensee mit einschließt.