Warum stimmen die Sozialdemokraten im Konstanzer Gemeinderat gegen das Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig? Stadtrat Dr. Jürgen Ruff erklärt in einem Beitrag, den der Südkurier in der Rubrik pro & contra am 3. Februar 2010 nur unvollständig abgedruckt hat, warum:

„Am 21. März entscheiden wir Konstanzer, ob auf Klein Venedig ein Konzert- und Kongresshaus entstehen soll. Es war uns Sozialdemokraten ein wesentliches Anliegen, dass diese Entscheidung in die Hand der Bürger gegeben wurde, denn wir sind alle von den Konsequenzen betroffen und das über viele Jahre hinaus. Daher dürfen wir das Haus nicht nur danach beurteilen, ob es eine schöne Fassade oder eine gelungene Technik hat.

Viele Bürger sind misstrauisch. Sie vermissen eine sorgfältige Abwägung, ob Klein Venedig der beste oder überhaupt ein geigneter Standort für ein Konzerthaus ist.

Unmittelbar damit verbunden ist die Frage der Verkehrserschließung. Die Gutachter beruhigen zwar, doch 454 zusätzliche Parkplätze in unmittelbarer Seenähe locken die Autos täglich zum Einkauf in die Bodanstraße. Unser Vorschlag, auf dieses Parkhaus zu verzichten, fand jedoch keine Mehrheit. Und ob die versprochene direkte Parkhauszufahrt von Kreuzlingen aus kommt, ist mehr als ungewiss.

Mit dem Parkhaus schaden wir also unseren Bemühungen an anderer Stelle, den innerstädtischen Verkehr umweltfreundlich zu bündeln, zu lenken und zu vermeiden. Damit begeht die Stadt Konstanz einen städtebaulichen Fehler ersten Ranges. Moderne Verkehrskonzepte, wie sie die SPD vorgeschlagen hat, sehen anders aus!

65 Millionen Euro wird das gesamte Projekt voraussichtlich kosten. Das ist sehr viel Geld, das die Stadt Konstanz nicht mehr hat. Schon jetzt können wir wegen sinkender Steuereinnahmen neue Schulräume und Kindertagesstätten nur mit fremdem Geld bezahlen, von den finanziellen Belastungen durch die Klinikbauten ganz zu schweigen.

Wenn das Konzerthaus steht, kostet es weiter Geld, denn bei den geschätzten jährlich 2,6 Millionen wird es nicht bleiben. Realistisch ist eher der doppelte Betrag. Ohne zusätzliche Zuschüsse der Stadt können sich auch die Konstanzer Vereine die zu erwartenden Mieten nicht leisten – also sicher kein Haus für alle.

Unter Abwägung der Fakten wie auch der großen Unsicherheiten bleibt daher nur, am 21. März mit Nein zu stimmen.“