SPD Konstanz

Weitere Stolpersteine in Konstanz verlegt

Sie waren Juden, Menschen mit Behinderung, Sozialdemokraten oder Kommunisten: Millionen Menschen fielen dem brutalen Terror der Nazis zum Opfer. Manche wurden heimlich in den frühen Morgenstunden, andere am hellen Tag abgeholt und in Lager, Zuchthäuser oder direkt in den sicheren Tod geschickt. An die Nazi-Opfer erinnert die Aktion Stolpersteine des Künstlers Günter Demnig. Denn sie waren keineswegs anonym, sondern sie waren Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde. Ein Stolperstein vor ihrem letzten Wohnsitz soll ihr Schicksal vor dem Vergessen bewahren.

071004_Stolperstein1Bereits zum zweiten Mal kam Demnig nach Konstanz um die Stolpersteine, kleine Steine, die mit einer gerade einmal zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatte versehen sind, in den Boden einzulassen. Zehn neue Stolpersteine erinnern an Konstanzer Bürgerinnen und Bürger, die von den Nazis abgeholt, gefoltert und ermordet wurden. Vor einem Jahr hatte Demnig die ersten drei Stolpersteine in Konstanzer Gehwege verlegt.

Einer der zehn neuen Steine erinnert an die Sozialdemokratin Pauline Gutjahr, die in der Brauneggerstraße wohnte. Bereits vor dem ersten Weltkrieg war sie aktive Sozialdemokratin und gehörte als Kassiererin dem Vorstand der Partei an. Ein öffentliches Amt bekleidete sie jedoch nie, auch wenn sie 1921 für den badischen Landtag kandidierte. Gutjahr war in der Schweiz geboren und hatte dort zahlreiche Kontakte, die sie während der Nazizeit nutzte. Sie half, zahlreiche Bedrohte und Verfolgte über die Grenze in Sicherheit zu bringen.

071004_AlbertJungGleichzeitig schmuggelte sie sozialdemokratisches Propagandamaterial aus der Schweiz nach Deutschland und verteilte es dort weiter. Sie muss eine Schlüsselrolle gespielt haben, denn ihr Name tauchte in mehreren Prozessen vor dem Berliner Volksgerichtshof auf.

Am 10. Mai 1938 wurde Pauline Gutjahr verhaftet, ein Jahr später wurde sie zu vier Jahren Zuchthaus wegen der „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ verurteilt. Ihre Haft verbüßte sie in Ludwigsburg. Anschließend wurde sie ins Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Erst im April 1945 befreiten sie die sowjetischen Truppen. Offensichtlich erholte sie sich nicht mehr von den Folgen der Lagerhaft, denn sie kandidierte nach dem Krieg kein einziges Mal für die SPD, der sie bis zu ihrem Tod am 4. März 1957 angehörte. Paten des Stolpersteins für Pauline Gutjahr sind Brigitte und Jürgen Leipold. Über ihre Biographie berichtete Dr. Uwe Brügmann.

Weitere Steine erinnern an den jüdischen Rechtsanwalt Moritz Bloch, der in der Döbelestraße 4 wohnte, und seine Familie. Altstadtrat Dr. Albert Jung (SPD) berichtete über die Erlebnisse seines Vaters, der als Hausarzt die Familie Bloch behandelte und so die Misshandlungen und Foltern der Nazi-Schergen unmittelbar erleben musste.

Aus der Konstanzer Initiative Stolpersteine ist eine breite Bürgerinitative geworden, in der mittlerweile 30 Menschen mitarbeiten. Sie recherchieren in Archiven nach den Schicksalen weiterer Opfer und suchen Paten für weitere Stolpersteine. Unterstützung erhält die Initiative auch durch die Stadt Konstanz.

Seit Anfang Mai streiken Mitarbeiter der Deutschen Telekom auch in Konstanz. Sie wehren sich gegen Pläne des Telekom-Konzerns, über 50.000 Mitarbeiter aus der Festnetzsparte aus dem Konzern ausgliedern. Gleichzeitg soll deren Arbeitszeit verlängert und der Lohn deutlich abgesenkt werden. In Konstanz sind wahrscheinlich 200 Mitarbeiter von den Plänen des Telekom-Vorstandsvorsitzenden René Obermann betroffen. 400 Menschen beteiligten sich an einer Solidaritätsdemonstration durch die Konstanzer Innenstadt.

1. Mai-Kundgebung in Kreuzlingen

500 Gewerkschafter aus Deutschland und der Schweiz trafen sich zur traditionellen 1. Mai-Kundgebung am Tag der Arbeit im Kreuzlinger Kulturzentrum Dreispitz. Die Schweizer Kolleginnen und Kollegen erwarteten die Konstanzer Delegation am Hauptzoll. Mit dabei auch Mitglieder des SPD-Ortsvereins, die mit einem Infostand auf die Mindestlohnkampagne der Partei ( mehr dazu: http://gute-arbeit.spd.de) aufmerksam machten.

Die Kreuzlinger Gewerkschafter boten mit Paul Rechsteiner, dem Präsidenten des Schweizer Gewerkschaftsbunds einen prominenten Redner auf, der offen zur Wahl der Sozialdemokraten in den Berner Nationalrat aufrief. Rechsteiner kritisierte die Diskussion um eine längere Lebensarbeitszeit und forderte stärkere Beteiligungsrechte der Arbeitnehmer in multinationalen Konzernen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Konstanzer Firma Nycomed (vormals Altana Pharma) kritiserte massiv den Personalabbau, den die neuen Eigentümer der florierenden Firma zumuten.

Helga Nielbock vom DGB-Bundesvorstand forderte höhere Löhne für Arbeitnehmer. Sie kritisierte die Rente mit 67, erweckte dabei den unzutreffenden Eindruck, dass die Altersgrenze mit sofortiger Wirkung und nicht erst in zwanzig Jahren erhöht wird.

Drogenbeauftragte Sabine Bätzing im Zentrum für Psychiatrie

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die Bundestagsabgeordnete Sabine Bätzing, will dem Zentrum für Psychiatrie Reichenau (ZPR) helfen, seine Arbeit für Suchtkranke zu evaluieren. Der Kreis Konstanz sei eine Modellregion der Suchtkrankenhilfe erläuterten Chefarzt Wolfgang Höcker und Betriebsdirektor Ralf Rosbach. Mit der AOK habe das ZPR ein integriertes Versorgungsmodell für Suchtkranke vereinbart. Diese Behandlung in der Frühphase der Suchterkrankung soll bald den Versicherten anderer Krankenkassen angeboten werden. Eine suchtmedizinische Tagesklinik im Konstanzer Klinikum erleichtert es Betroffenen Hilfe abzunehmen.

Aus der Evaluation will das ZPR Erkenntnisse gewinnen, wie die Angebote für Suchtkranke weiter verbessert werden können.

Olaf Scholz sprach auf der Marktstätte

Olaf Scholz, der erste parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, freut sich, dass sich aus Reihen der CDU Stimmen für eine fortschrittliche Familienpolitik erheben. Doch der Lack, mit sich die Union modernes Image geben wolle, sei noch dünn, warnte er die Zuhörer auf der Markstätte. Den zahlreich erschienen Gewerkschaftern versprach Scholz, dass an der Tarifautonomie nicht gerüttelt werde.

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