Der Gemeinderat hatte der fristlosen Kündigung des Chefarzts des Zentrums für Innere Medizin am Klinikum, Prof. Dr. Müller-Esch (Bild) zugestimmt. Einige niedergelassene Ärzte protestierten öffentlich dagegen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Leipold schreibt dazu seinem Hausarzt. (Bild: Klinikum Konstanz)

Lieber Herr Dr. ,
Sie haben wie andere Ihrer Kollegen gegen die Entlassung von Prof. Müller-Esch öffentlich protestiert. Ich will versuchen, Ihnen die Entscheidungssituation, vor der der Gemeinderat stand, zu verdeutlichen:

Stellen Sie sich vor, Sie kommen morgens in Ihre Praxis, finden dort einen Brief Ihrer Angestellten vor und lesen darin:

Gerade in unruhigen Zeiten seien Transparenz, Verbindlichkeit, Integrationskraft und nicht zuletzt Glaubwürdigkeit gefragt. Bedauerlicherweise würden Sie eben diese Qualitäten vermissen lassen.
Man sehe sich mit Maßnahmen konfrontiert, die weder medizinisch noch betriebswirtschaftlich nachvollziehbar seien.
Trotz hohem Einsatz dürfte es Jahre dauern, bis die in den alten Organisationsformen garantierte Versorgungsqualität wiederhergestellt sei.
Medizinisch wie auch betriebswirtschaftlich sinnlose Massnahmen würden weiter betrieben.
Sie setzten die bisherige medizinische Versorgung als auch die betriebswirtschaftlichen Erlöse aufs Spiel.
-Sie betrieben widersinnige Strukturmaßnahmen.

Nun betrifft Sie dieser Brief zwar sehr stark – er ist aber keineswegs an Sie gerichtet, sondern an Ihr Team. Er ist und soll als „Offener Brief“ sowohl Ihre Patienten als auch eine größere Öffentlichkeit erreichen – und das tut er der schweren Vorwürfe wegen auch.

Ich gehe davon aus, dass Sie von Ihrem Team eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle der Praxis und nicht einen solchen „Offenen Brief“ erwarten. Muss das nicht für einen Leitenden Angestellten, der früher ärztlicher Direktor und zeitweilig Geschäftsführer des Klinikums war, in noch viel höherem Maße gelten?

Seien Sie versichert, dass mir die getroffene Entscheidung nicht leicht gefallen ist – so wenig wie den Kolleginnen und Kollegen. Wir haben darüber fast sechs Stunden im Gemeinderat diskutiert und selbstverständlich auch schon im Vorfeld der Sitzung.

Es geht um die Zukunft unseres Klinikums, das wir als kommunale Einrichtung erhalten wollen. Dazu muss man in der kritischen Situation, in der sich das Klinikum derzeit befindet, auch notwendige unbequeme und unpopuläre Entscheidungen treffen.

Ihr
Jürgen Leipold