SPD Konstanz

40 Jahre im Gemeinderat: Herbert Weber

Seit 1977 ist SPD-Stadtrat Herbert Weber Mitglied im Gemeinderat der Stadt Konstanz. Das schaffen nicht sehr viele. Oberbürgermeister Uli Burchardt lobte Webers Engagement für den Wohnungsbau und bezeichnete ihn als einen „Strippenzieher für den kleinen Mann“. Weber sei für ihn ein wichtiger Ratgeber, so der Rathauschef. Jürgen Ruff, Vorsitzender der SPD-Fraktion, würdigte Webers vielfältigen Einsatz, nicht nur als Vorsitzender des Mieterbunds Bodensee. Wir dokumentieren seine Rede im Wortlaut und im Video:

Sehr geehrte Damen und  Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

lieber Herbert

„40 Jahre Gemeinderat und kein bisschen leiser!“
könnte man nicht nur angesichts Deiner fast schon legendären Zwischenrufe hier im Rat sagen, sondern vor allem auch im übertragenen Sinne, indem Du den soeben auch vom Oberbürgermeister zitierten „Kleinen Leuten“ eine kraft- und damit wirkungsvolle Stimme gibst.

Kämpferischer Klartext

Und in der Tat, als ich vor 30 Jahren nach Konstanz kam und Du immerhin schon 10 Jahre Gemeinderat warst, habe ich Dich schon so erlebt, als einen originären Sozialdemokraten, der kämpferisch Klartext spricht und konsequent für die Belange der weniger Betuchten eintritt. Nicht alle, die wie Du aus einfachen Verhältnissen stammen und auch wie Du einiges erreicht haben, bewahren sich diese Perspektive.

22 Jahre Einsatz für Mietspiegel

Apropos Erreichen: auf kaum jemanden hier dürfte das Zitat Deines Namensvetters Max Weber, wonach „Politik das starke und langsame Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“ sei, besser zutreffen als auf Dich:

Den ersten Antrag auf einen Mietspiegel hast Du bereits 1978 gestellt. Erst 22 Jahre später gab es dann eine Mehrheit dafür hier im Gemeinderat. Und immer wieder mussten seitdem Versuche abgewehrt werden, durch Streichung der Mittel dafür dieses Instrument zur Eindämmung der nicht erst heute horrenden Mietpreissteigerungen zunichte zu machen.

Sozialer Wohnungsbau

Das beste Mittel gegen steigende Mieten jedoch ist eine ausreichende Versorgung mit Wohnungen. Du bist deshalb in den vergangenen 40 Jahren nicht müde geworden, ein stärkeres Engagement der Stadt im Wohnungsbau einzufordern, nachdem Du zuvor schon durch Mobilisierung vieler Menschen in Konstanz verhindern konntest, dass städtische Wohnungen für den Bau einer Schwimmhalle in Wollmatingen verkauft wurden. Mehr Handeln im Wohnungsbau war Deine Devise nicht nur als langjähriges Mitglied im Aufsichtsrat der WOBAK, sondern Dein ständiges Mantra in der kommunalen Debatte lange bevor der Begriff Handlungsprogramm Wohnen hier geprägt wurde. Auch vermeintliche Tabuthemen, wie der Wohnungsbau am Hafner, hast Du nicht gescheut, auch wenn das vor 5 Jahren noch keineswegs opportun war. Heute setzen wir es endlich um und sehen, wie Recht Du schon vor Jahren hattest.

Netzwerke und Bündnisse

Wirklich etwas erreichen kann man jedoch nicht als Einzelkämpfer. Immer braucht man Mitstreiter, Verbündete und Mehrheiten. Geschickt hast Du es z.B. verstanden, als Vorsitzender des Konstanzer Mieterbundes selbst die eigentlich gegnerische Vermieter-Organisation Haus&Grund ins Boot zu holen, um z.B. bei der Diskussion um die Entsorgung von Grünschnitt und der dafür zu erhebenden Gebühren eine Lösung zu Lasten von Mietern und Besitzern von Eigentumswohnungen zu verhindern.

Hohe Gebühren schmerzen vor allem kleine Leute

Und überhaupt Gebühren: diese werden mit ständigen Steigerungen schnell zur zweiten Miete, wie auch die Preise für die alltägliche Daseinsvorsorge, sei es Wasser, Energie oder Mobilität mit dem Roten Arnold. Deshalb war es Herbert Weber auch im Aufsichtsrat der Stadtwerke immer ein Anliegen, dass an dieser Schraube nicht  zu stark gedreht wird. Immer im Blick dabei: die kleinen Leute, die es damit am stärksten trifft.

Ein Vereinsmensch

Wohnungsbau und Mieter, ein zentrales Anliegen von Herbert Weber; doch diese Verengung greift viel zu kurz. Zum Bild des eingangs erwähnten originären Sozialdemokraten gehört auch, dass er in Vereinen und Organisationen schwimmt wie der Fisch im Wasser. Genau das trifft hier zu. Herbert Weber war Vorsitzender des Musikvereins Eintracht Petershausen, gründete den Kleingarten-  und Freizeitverein Stromeyers-dorf, ist zur Zeit Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr und hat das leider inzwischen ehemalige Petershauser Stadtteilfest auf dem Benediktiner Platz initiiert. Dabei kamen ihm und so auch den Vereinen seine vielfältigen Kontakte, heute würde man sagen, seine Netzwerke, zu Gute, die auch hilfreich waren beim Bau des Kleingarten-Vereinsheims, beim Bezug des Heims des Musikvereins Eintracht Petershausen in der Friedrichstraße und nicht zuletzt beim Kauf der Räume für die Hauptge-schäftsstelle des Mieterbunds Bodensee in Konstanz. Auch wenn er selbst in den verschiedenen Vereinen nicht mehr im Amt war, stand Herbert Weber selbstverständlich immer mit Rat und Tat und als Türöffner gegenüber der Verwaltung zur Verfügung. So hat er ehrenamtlich quasi schon die Funktion einer Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement ausgeübt lange bevor es eine solche Stelle in Konstanz gab.

Mieterbund-Landesvorsitzender und Bundestagskandidat

Aber Herbert Weber wäre nicht er selbst, wenn sich sein Aktionsradius nur auf die Stadt Konstanz beschränken würde. Regional gesehen war er einige Jahre im Kreistag, auf Landesebene Vorsitzender des Mieterbundes, im Bund in dessen Präsidium und er hat, gewissermaßen als Höhepunkt seiner politischen Arbeit als Sozialdemokrat, 1998 für den Bundestag kandidiert. Helmut Kohl wurde damals abgewählt und Herbert Weber hat mit knapp 34% der Erststimmen gegenüber gut 39% für den langjährigen Abgeordneten Repnik gezeigt, dass man in einer Universitätsstadt auch ohne akademische Bildung im Hintergrund nicht nur kandidieren, sondern auch ein sehr passables Ergebnis erzielen kann.

All die Kontakte, die sich aus diesem überregionalen Engagement ergeben haben, nutzt Herbert Weber natürlich auch für seine Arbeit vor Ort und nicht zuletzt eben auch für den Gemeinderat. Und umgekehrt gilt er heute als gefragter Experte und Ratgeber in Sachen Wohnungsbau und Mieterschutz in den Nachbarstädten im Kreis und auf der anderen Seeseite und weit darüber hinaus.

Stadt und Universität

Nun könnte man meinen, neben all diesem Engagement kann es nicht mehr viel anderes geben. Doch natürlich gab es bei Herbert Weber auch ein Berufsleben, das er zum größten Teil an der Universität zunächst im Bereich der technischen Dienste verbrachte. Doch auch dort galt es, die Interessen der Mitarbeiter zu vertreten und dabei insbesondere derer, die im nicht-wissenschaftlichen Bereich weniger gut bezahlt waren. So wurde er schon früh in den Personalrat gewählt, dessen Vorsitz er zuletzt auch inne hatte. Durch und durch ein Lobbyist für die Interessen der Schwächeren also auch in diesem Bereich des Lebens. Und auch hier lag ihm der Kontakt zwischen Hochschulen und der Stadt immer am Herzen, sei es bei Erweiterungsplanungen oder – wie könnte es anders sein – bei der Versorgung der Studierenden mit bezahlbarem Wohnraum.

Aufmerksamer Kontrolleur der Verwaltung

Und damit zurück zum Ausgangspunkt der heutigen Ehrung, dem Gemeinderat. Hier hast Du, lieber Herbert, über die vergangenen 40 Jahre fast alle Funktionen ausgeübt, die es da gibt; vom stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden über viele Gremien, Ausschüsse, Beiräte und Aufsichtsräte bis hin zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der WOBAK, der Du heute noch bist. Die wichtigste Funktion eines Gemeinderats dabei, die Kontrolle der Verwaltung, hast Du über viele Jahre als Mitglied des Haupt- und Finanzausschusses ausgeübt. Und das nicht nur mit einem oft strengen Blick auf das Ganze, auch kleinere Ausgaben, bei welchen sich zumindest eine kritische Nachfrage lohnt, sind Dir nicht entgangen – schließlich geht es dabei um die gute Verwendung der Gelder von uns allen, unserer Steuergelder!

Lieber Herbert, Dein Beispiel zeigt, dass man durch hohes politisches und gesellschaftliches Engagement auch wenn man aus einfacheren Verhältnissen stammt, mit anderen zusammen sehr viel zur Verbesserung eben dieser Verhältnisse beitragen kann. Und das können wir gar nicht hoch genug schätzen in Zeiten, in welchen rechte Rattenfänger die Sorgen und Nöte vieler Menschen benutzen, um ihr zerstörerisches Werk an unserer Gesellschaft zu betreiben und zwar eben ohne tatsächlich Lösungen für die vorhandenen Probleme anzubieten. Dafür, also für Dein weit mehr als 40 Jahre währendes Beispiel, wie es eigentlich gehen sollte in unserer Gesellschaft, sind wir Dir dankbar und hoffen, dass Du auch in Zukunft
nicht leiser wirst als Stimme der „kleinen Leute“!

Vielen Dank!

 

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